Herausgabe der Conférences de l'Académie Royale de Peinture et de Sculpture
Untersuchungsgegenstand des Projekts sind die "Conférences", die kunsttheoretischen Vorträge und Diskussionen an der Académie Royale de Peinture et de Sculpture in Paris zwischen 1648 und 1793. Mit Unterstützung der Gerda Henkel Stiftung ist geplant, die Texte in einer kritischen Gesamtausgabe zu edieren und zu kommentieren. Die Bände 1 u. 2 sind als Tome I 2006 im Verlag der ENSBa erschienen, Tome II (3.u.4) erscheinen 2008.
Das unter der Leitung von Prof. Dr. Thomas W. Gaehtgens, Prof. Dr. Christian Michel (Université Lausanne) und Prof. Dr. Jacqueline Lichtenstein (Université Paris IV, Sorbonne) im Februar 2002 begonnene französisch-deutsche Forschungsprojekt über die sogenannten Conférences, die kunsttheoretischen Vorträge und Diskussionen an der Académie Royale de Peinture et de Sculpture in Paris zwischen 1648 und 1793, versteht sich als ein Beitrag zur europäischen Kunst- und Wissenschaftsgeschichte des Ancien Régime, sowie als Möglichkeit der gezielten Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Es wird vom Deutschen Forum für Kunstgeschichte in Kooperation mit der Ecole Supérieure des Beaux-Arts ENSBa durchgeführt und von der Gerda Henkel Stiftung finanziert.
In enger Zusammenarbeit mit Kollegen und Institutionen aus beiden Ländern und verschiedenen Disziplinen ist geplant, die bisher zum weitaus größten Teil unbekannten und unveröffentlichten Vorträge, Protokolle oder Mitschriften, Schlüsseldokumente der französischen und europäischen Kunsttheorie, in einer kritischen und im Ansatz historischen Ausgabe zu edieren und zu kommentieren. Von den bislang 553 identifizierten Texten wurden 221 Texte in zweitausend Manuskriptseiten datenbankgestützt erfaßt, verglichen und vom Autographen in ein digitales Format transkribiert. Mit einem wissenschaftlichen Kommentar, einem philologischen Apparat und ausführlicher Indexierung versehen finden die Quellentexte ihren Rückbezug in einem kunsttheoretischen und kulturhistorischen Kontext. Indem die visuellen, literarischen und philosophischen Referenzen, auf die sich die Académie in ihren Diskussionen stützte und an denen sich die Künstler bei ihrer praktischen Arbeit orientierten, Berücksichtigung finden, werden die Dokumente in einen Bezugsrahmen eingestellt, der ihre kunsthistorische Relevanz erkennbar machen soll.
Zum ersten Mal können somit eine vollständige Chronologie sowie ein Inventar - eine Art musée imaginaire - der Gemälde und Skulpturen erstellt werden, die im Mittelpunkt der kunsttheoretischen Debatte des 17. und 18. Jahrhunderts standen, heute jedoch zum großen Teil vergessen, verloren oder nur durch die Graphik und schriftliche Quellen überliefert sind. Der erste Band, der mit 95 Quellentexten die Periode 1648 bis 1679 umfaßt, ist 2006 in zwei teilbänden im Verlag der Ecole nationale supérieure des beaux-arts in Druck erschienen. Tome II wird in zwei Teilbänden Ende 2007 erscheinen.
Da die Conférences bereits im Ancien Régime und nicht zuletzt durch den Modellcharakter der Académie Royale in ganz Europa ein großes Interesse und Echo hervorriefen, leistet das Projekt nicht nur eine grundlegende editorische Arbeit, sondern versteht sich auch als ein Beitrag zum interkulturellen Transfer und zur europäischen Wissenschaftsgeschichte dieser Epoche. Ein internetbasierter Index wird bis zum Erscheinen eines Generalindex im letzten Band, die wissenschaftliche Arbeit mit den Quellentexten unterstützen.
Leitung
Prof. Dr. Jacqueline Lichtenstein (Université Paris IV, Sorbonne)
Prof. Dr. Christian Michel (Université Lausanne)
Koordination
Dr. Markus A. Castor
Mitarbeiter
Marie Pauline Martin M.A.
Dr. Anne Perrin Khelissa
Karim Haouadeg M.A.
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